Eingewöhnung in der Peergroup – Gemeinsam einen guten Start erleben
Der Übergang von der Familie in die Kita ist ein wichtiger Moment für Ihr Kind – und für Sie als Eltern. Bei uns durchlaufen Kinder diesen Schritt nicht allein, sondern gemeinsam mit anderen Kindern in einer kleinen Gruppe. Sie lernen voneinander, stützen sich gegenseitig und bauen erste soziale Beziehungen auf. So wird die Eingewöhnung zu einem gemeinsamen Erlebnis – getragen von Sicherheit, Entdeckung und dem Wissen: Du bist nicht allein.

Was ist die Eingewöhnung in der Peergroup?
Die Eingewöhnung in der Peergroup ist ein pädagogisches Konzept, das wir nach dem sogenannten Tübinger Modell umsetzen. Im Gegensatz zur klassischen Einzeleingewöhnung starten hier kleine Gruppen von drei bis vier Kindern gemeinsam in die Kita. Sie kommen zusammen mit Ihnen als vertrauter Bezugsperson und erleben den neuen Alltag als geteiltes Ereignis.
Besonders: Ihre Peers – also die gleichaltrigen Kinder – werden als aktive Begleiter verstanden, nicht nur als „Mit-Kinder“ im Raum. Sie bieten Ihrem Kind Orientierung, Ablenkung und das Gefühl von Zugehörigkeit von Anfang an.
Warum wir auf dieses Konzept setzen?
Unser Modell basiert auf fundierten wissenschaftlichen Erkenntnissen aus der Bindungsforschung, Peer-Forschung und Stressphysiologie.
Was die Forschung sagt: Meta-Analysen zeigen, dass Kinder nicht nur zu Eltern sichere Bindungen aufbauen können, sondern auch zu Fachkräften – und dabei zusätzlich Beziehungen zu anderen Kindern als wichtige Ressource nutzen (Ahnert et al., 2006). Peer-Interaktionen fördern bereits im frühen Kindesalter soziale Kompetenz, Selbstbewusstsein und emotionale Regulation (Schneider & Wüstenberg, 2014; Sylva et al., 2011).
Praktische Erfahrungen: Auswertungen des Tübinger Modells belegen: Kinder lösen sich leichter von ihren Bezugspersonen, die Gesamtdauer der Eingewöhnung ist kürzer, und die sozialen Beziehungen unter den Kindern werden von Anfang an gestärkt. Seit 2018 wird das Konzept zudem durch weitere Studien wissenschaftlich begleitet und bestätigt.
Vorteile für Ihr Kind
Die Eingewöhnung in der Peergroup bietet Ihrem Kind vielfältige Entwicklungschancen:
- Gemeinsames Erleben: Ihr Kind erlebt, dass es nicht allein ist in dieser neuen Situation. Es teilt Unsicherheit, Neugier und Freude mit anderen Kindern, die sich in derselben Lebensphase befinden.
- Leichtere Loslösung Die Anwesenheit anderer Kinder bietet Motivation, die neue Umgebung zu erkunden. Die Erfahrung zeigt: Kinder in der Peergroup sind schneller bereit, sich von ihren Bezugspersonen zu lösen.
- Stabiles Beziehungsnetzwerk Ihr Kind baut nicht nur eine Beziehung zu einer Fachkraft auf, sondern mehrere – zu Fachkräften und zu seinen Peers. Dieses Netz sorgt für größere emotionale Stabilität.


Entlastung und Austausch für Sie
Auch Sie als Eltern profitieren von der Peergroup-Eingewöhnung – auf mehreren Ebenen:
- Sicherheit durch Gruppe: Die Anwesenheit anderer Eltern und Kinder reduziert das Gefühl von Isolation in dieser Übergangsphase. Sie erleben, dass viele Familien ähnliche Gedanken und Sorgen haben.
- Mehr Transparenz: Da die Eingewöhnung in kleinen Gruppen stattfindet, haben Sie regelmäßig Einblick in den Prozess und mehr Austauschzeit mit den Fachkräften als bei reinen Einzeltermine.
- Natürlicher Austausch: Während der Begleitphasen entstehen ungezwungene Gesprächsmöglichkeiten mit anderen Familien. Über Sorgen, Erfahrungen und Alltagsthemen – diese Begegnungen sind oft wertvoller als geplante Elternabende.
Ihr Weg in die Kita – Schritt für Schritt
Die Peergroup-Eingewöhnung folgt einem klaren, aber flexiblen Ablauf, der an die Bedürfnisse Ihres Kindes und der Gruppe angepasst wird.
- Startphase – Gemeinsames Kennenlernen
- Ihr Kind kommt zusammen mit Ihnen in einen separaten, altersgerecht ausgestatteten Raum. Zwei Fachkräfte begleiten die Kleingruppe. Sie bleiben als „sicherer Hafen“ präsent, während Ihr Kind die neue Umgebung und die anderen Personen in Ruhe kennenlernt.
- Entscheidungsphase – Erste Trennungsversuche
- Wenn sich Ihr Kind sicher genug fühlt, erfolgt der erste Trennungsversuch von Ihnen als Bezugsperson. Es erlebt: Die Fachkräfte trösten und begleiten mich – und die anderen Kinder sind ebenfalls da. Die Trennung dauert zunächst nur kurze Zeit und wird schrittweise ausgedehnt.
- Vertiefungsphase – Integration in die Gruppe
- Ihr Kind verbringt zunehmend mehr Zeit ohne Sie. Die Peer-Beziehungen vertiefen sich, gemeinsame Rituale entstehen, und die Gruppe wächst zusammen. Schrittweise erfolgt der Übergang in die Stammgruppe.
- Dauer:
- Die Eingewöhnung richtet sich nach dem individuellen Bedarf Ihres Kindes. Erfahrungsgemäß fällt sie im Peergroup-Modell insgesamt kürzer aus als bei der traditionellen Einzeleingewöhnung. (Meistens zwischen 1 bis 2 Wochen)
Hintergrundwissen
- Ahnert, L., Pinquart, M. & Lamb, M. E. (2006): Security of children’s relationships with nonparental care providers: A meta-analysis. Child Development, 77(3), 664–679.
- Ahnert, L., Kappler, G. & Eckstein-Madry, T. (2012): Eingewöhnung in der Kinderkrippe. München: Ernst Reinhardt.
- Fink, H. (2022): Die Eingewöhnung in der Peer – Das Tübinger Modell. Kita-Fachtexte, Nr. 2/2022.
- Schneider, W. & Wüstenberg, W. (2014): Peer-Beziehungen und frühkindliche Entwicklung.
- Sylva, K. et al. (2011): The Effective Provision of Pre-School Education (EPPE) Project.
